Die meisten Stellenanzeigen von Arztpraxen sehen gleich aus. Sie beginnen mit der Praxis, sie enden mit einer E-Mail-Adresse, und dazwischen steht, wen man sucht: engagiert, teamfähig, freundlich, belastbar.
Das Problem daran ist nicht der Stil. Das Problem ist, dass in einer solchen Anzeige nichts steht, was eine Medizinische Fachangestellte braucht, um sich zu entscheiden. Auf einem Arbeitsmarkt, auf dem qualifizierte Kräfte zwischen mehreren offenen Stellen wählen können, entscheidet nicht die schönste Formulierung, sondern die Antwort auf sechs sehr nüchterne Fragen.
Die sechs Angaben, die über eine Bewerbung entscheiden
1. Was verdiene ich? Das ist die wichtigste und die am häufigsten fehlende Angabe. Wer keine Spanne nennt, wird mit den Anzeigen verglichen, die eine nennen, und verliert diesen Vergleich immer. Eine Spanne genügt, gern mit dem Hinweis, woran sie sich orientiert, etwa am Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte oder an der Berufserfahrung.
2. Wann muss ich da sein? Feste Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Sprechstunden am Abend, Samstagsdienste. Eine Bewerberin mit Kindern trifft die Entscheidung an genau dieser Zeile, nicht am Praxisleitbild.
3. Was mache ich den ganzen Tag? Anmeldung, Labor, Assistenz, Abrechnung, Wundmanagement, DMP. Der Unterschied zwischen einer reinen Empfangsstelle und einer Stelle mit Behandlungsanteil ist für Fachkräfte erheblich, und er steht selten in der Anzeige.
4. Mit wem arbeite ich? Größe des Teams, Zahl der Behandlerinnen und Behandler, wer die Einarbeitung macht. Zwei Sätze reichen.
5. Was bekomme ich außer Gehalt? Fortbildungen und deren Finanzierung, Fahrtkostenzuschuss, Zuschuss zur Kinderbetreuung, Dienstkleidung, Urlaubstage über dem Mindestanspruch. Nichts davon muss groß sein, aber es muss benannt sein.
6. Wie bewerbe ich mich, und wie schnell höre ich etwas? Eine Ansprechperson mit Namen, ein Weg, der ohne Anschreiben funktioniert, und eine Zusage, bis wann eine Rückmeldung kommt. Der letzte Punkt kostet nichts und unterscheidet Sie von fast allen anderen.
Die Formulierungen, die Sie besser weglassen
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligungen wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung und sexueller Identität. Für Stellenanzeigen heißt das konkret:
- Der Zusatz (m/w/d) gehört in den Stellentitel. Eine geschlechtsbezogene Ausschreibung ohne sachlichen Grund ist angreifbar.
- „Junges, dynamisches Team” ist die häufigste Formulierung mit Altersbezug in Praxisanzeigen. Sie wirkt sympathisch und ist ein Indiz für eine Benachteiligung wegen des Alters.
- „Berufseinsteigerin” oder „Berufsanfänger” als Anforderung engt ebenfalls nach Alter ein. Gemeint ist meist etwas anderes, nämlich die Einstiegsstufe der Vergütung. Dann schreiben Sie das.
- „Deutsch als Muttersprache” ist ein Herkunftsbezug. Wenn es um Sprachniveau geht, nennen Sie das Niveau.
- Eine Foto-Anforderung im Bewerbungsprozess ist rechtlich riskant und sachlich überflüssig.
- Angaben zur Gesundheit, etwa körperliche Belastbarkeit ohne konkreten Tätigkeitsbezug, gehören nicht hinein.
Das ist keine Rechtsberatung, sondern die Liste der Punkte, an denen Praxisanzeigen regelmäßig hängenbleiben.
Vorlage 1: Die vollständige Anzeige
Medizinische Fachangestellte (m/w/d) für unsere [Fachrichtung]-Praxis in [Ort] [Teilzeit oder Vollzeit, ab wann]
Wir sind eine [Fachrichtung]-Praxis in [Ort] mit [Zahl] Behandlerinnen und Behandlern und einem Team von [Zahl] Personen. Zum [Datum] suchen wir Verstärkung für [Anmeldung, Behandlungsassistenz, Labor].
Ihre Aufgaben [Aufgabe 1, zum Beispiel Patientenannahme und Terminorganisation] [Aufgabe 2, zum Beispiel Assistenz bei Untersuchungen und Eingriffen] [Aufgabe 3, zum Beispiel Blutentnahmen und Laborvorbereitung] [Aufgabe 4, zum Beispiel Vorbereitung der Abrechnung und DMP-Dokumentation]
Das bieten wir Vergütung von [Spanne] je nach Berufserfahrung, orientiert am Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte Arbeitszeiten: [konkrete Zeiten, Angabe zu Abend- und Samstagsdiensten] [Zahl] Tage Urlaub Fortbildungen: [was, in welchem Umfang, wer zahlt] [weitere Leistung, zum Beispiel Fahrtkostenzuschuss oder Dienstkleidung] Einarbeitung durch [Name oder Funktion] über [Zeitraum]
Das bringen Sie mit Abgeschlossene Ausbildung als Medizinische Fachangestellte (m/w/d) oder eine vergleichbare Qualifikation [fachliche Anforderung mit Tätigkeitsbezug, zum Beispiel Erfahrung mit der Praxissoftware X, keine Bedingung] Freude an der Arbeit mit Patientinnen und Patienten
So bewerben Sie sich Schreiben Sie eine kurze E-Mail an [Ansprechperson mit Namen], [E-Mail]. Ein Lebenslauf genügt, ein Anschreiben brauchen wir nicht. Sie erhalten innerhalb von [Zahl] Werktagen eine Rückmeldung. Für Fragen vorab erreichen Sie [Name] unter [Telefonnummer].
Vorlage 2: Die Kurzfassung für Aushang und Social Media
Wir suchen eine Medizinische Fachangestellte (m/w/d) für unsere Praxis in [Ort].
[Teilzeit oder Vollzeit] ab [Datum]. Vergütung [Spanne]. Arbeitszeiten [kurz]. Keine [Samstagsdienste oder Nachtdienste].
Was Sie bei uns machen: [drei Stichworte]. Was wir bieten: [zwei Stichworte].
Kurze Mail an [Name], [E-Mail], Lebenslauf genügt. Rückmeldung innerhalb von [Zahl] Werktagen.
Wo die Anzeige hingehört
Die Anzeige auf der eigenen Website ist die Grundlage, weil sie die einzige Fassung ist, die Ihnen gehört und die in der Suche auffindbar bleibt. Alles andere zeigt darauf.
Dazu kommen: das Arbeitgeberprofil bei der Bundesagentur für Arbeit, für das wir den Freischaltungsablauf beschrieben haben, ein Aushang in der Praxis selbst, weil Patientinnen und Patienten Ihre besten Multiplikatoren sind, und ein kurzer Beitrag in den Kanälen, die Sie ohnehin bespielen.
Ein Punkt wird dabei fast immer übersehen: Wer eine Anzeige liest, schaut danach auf Ihre Website und auf Ihr Google-Profil. Wenn dort seit drei Jahren nichts passiert ist, hat die beste Anzeige ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Wenn es schneller gehen soll
Wir haben den Ablauf in ein Werkzeug gepackt: Der Generator für MFA- und ZFA-Stellenanzeigen erzeugt die fertige Anzeige in einer Minute. Der Zusatz (m/w/d) ist fest verankert und lässt sich nicht abwählen, die Textbausteine sind bewusst ohne Alters-, Geschlechts- oder Herkunftsbezug gehalten. Die kostenlose Fassung liefert ein A4-PDF mit einem kleinen Hinweis auf webinvasiv in der Fußzeile. Für 19 Euro gibt es dieselbe Anzeige ohne Branding als editierbare Word-Datei, zusammen mit der Aushang-Kurzfassung und einem fertigen Text für Social Media.
Eine Einschränkung dazu, die auch im Werkzeug steht: Ein selbst ergänzter Zusatztext wird nicht auf Konformität mit dem Gleichbehandlungsgesetz geprüft. Die Vorlage ersetzt keine Rechtsberatung.