Seit diesem Jahr lässt sich in ChatGPT Werbung schalten. Wer im Gesundheitswesen arbeitet, hat dabei sofort einen Gedanken, und der ist grundsätzlich richtig: Das könnte der beste Werbekanal sein, den es für eine Arztpraxis je gab.
Nur darf man ihn hier nicht nutzen.
Warum die Idee so naheliegend ist
Wer bei Google sucht, tippt zwei oder drei Wörter ein. Wer ChatGPT fragt, schreibt drei Sätze. Er beschreibt, seit wann er die Beschwerden hat, was er schon versucht hat, wovor er Angst hat und was er eigentlich wissen will. Das ist keine Suchanfrage mehr, das ist ein Gespräch am Anfang einer Entscheidung.
Für Werbung wäre das ein außergewöhnlicher Ort. Bei Google fängt man vorhandene Nachfrage ab, in sozialen Netzwerken unterbricht man Menschen, die gerade an etwas anderes denken. In einem KI-Gespräch dagegen ist jemand mitten in der Überlegung, ob und wo er sich behandeln lassen soll. Genau dort sichtbar zu sein, wäre für planbare Leistungen und für Spezialzentren interessanter als jede Anzeigenposition.
Diese Überlegung ist der Grund, warum das Thema im Gesundheitsmarketing gerade die Runde macht. Sie hat nur einen Haken.
Die Regel, die den Kanal verschließt
OpenAI hat seine Werberichtlinien zuletzt am 10. September 2026 aktualisiert. Zu Gesundheitsdienstleistungen steht dort ein Satz, der keinen Auslegungsspielraum lässt: Anzeigen für Gesundheitsdienstleistungen außerhalb der USA sind grundsätzlich verboten.
Innerhalb der USA ist der Kanal teilweise offen. Zugelassene Werbetreibende dürfen dort im Einzelfall für Medizinprodukte, zahnärztliche Dienstleistungen, Krankenversicherungen, medizinische Tests, minimalinvasive kosmetische Eingriffe sowie für Krankenhäuser und Notfallversorgung werben. Jede dieser Genehmigungen wird manuell geprüft, und ein Lizenznachweis kann verlangt werden. Ausgeschlossen bleiben auch dort unsichere oder nicht zugelassene Produkte, unbegründete Behandlungsversprechen, experimentelle Therapien und risikoreiche Eingriffe.
Für eine Praxis in Deutschland ändert das nichts. Die geografische Sperre gilt zuerst, die Kategorienliste kommt erst danach. Wer hier ein Werbekonto anlegt und eine Kampagne für seine Praxis aufsetzt, wird abgelehnt.
Was daraus für die Planung folgt
Es gibt derzeit keinen Grund, Werbebudget für ChatGPT Ads einzuplanen. Wer dafür heute Geld reserviert, reserviert es für etwas, das er nicht buchen kann.
Es gibt allerdings einen guten Grund, den Kanal zu beobachten. Die Richtlinien sind erkennbar in einer frühen Phase, die Kategorien werden schrittweise geöffnet, und dass Krankenhäuser in den USA bereits auf der Liste stehen, zeigt die Richtung. Wenn sich das ändert, wird der Vorteil bei denen liegen, die vorher verstanden haben, wie dieser Kanal funktioniert, und nicht bei denen, die dann erst anfangen.
Ich halte es deshalb für sinnvoll, zwei Dinge auseinanderzuhalten: die Werbung in ChatGPT, die hier gesperrt ist, und die Sichtbarkeit in ChatGPT, die niemand sperrt.
Sichtbar sein, ohne zu werben
Wenn jemand ChatGPT nach einer Behandlung in seiner Stadt fragt, entsteht eine Antwort. Diese Antwort nennt Quellen, manchmal auch Namen. Dafür wird nicht bezahlt, das System wählt aus, was es für belastbar hält.
Welche Website dabei zitiert wird, hängt an Signalen, die sich beeinflussen lassen: klar abgegrenzte Passagen statt Textwüsten, strukturierte Daten, erkennbare fachliche Verantwortung, Crawlbarkeit für die KI-Systeme und thematische Tiefe bei den Fragen, die Patientinnen und Patienten tatsächlich stellen. Das ist mühsamer als eine Anzeige, es kostet keinen Klickpreis und es fällt unter keine Werberichtlinie.
Ob Ihre Praxis in solchen Antworten heute vorkommt, können Sie mit dem GEO-Check prüfen. Er bewertet genau diese Signale und läuft ohne Anmeldung.
Die Reihenfolge stimmt trotzdem
Bei allem Interesse an neuen Kanälen bleibt die nüchterne Frage dieselbe wie bei Google und Meta: Trägt der beworbene Fall den Preis, und kann die Praxis die Nachfrage überhaupt annehmen? Ein Kanal, der noch nicht existiert, löst kein Problem, das in der Terminvergabe sitzt.
Wie sich diese Rechnung für eine Praxis aufmacht, welche vier Kostenblöcke eine Kampagne hat und ab welchem Umsatz je Patient sie sich trägt, steht im Report Performance Marketing für Arztpraxen 2026. Wer lieber direkt mit eigenen Zahlen rechnet, nutzt den Performance-Marketing-Check.
Quellen
- OpenAI: Werberichtlinien, Stand 10.09.2026, abgerufen am 18.09.2026