Viele Patientinnen und Patienten haben ihre Beschwerden schon einer KI geschildert, bevor sie in der Praxis anrufen. Nach einer repräsentativen Befragung des Bitkom unter 1.145 Menschen ab 16 Jahren wenden sich 45 Prozent mit Symptomen oder Gesundheitsfragen an Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Copilot. Mehr als die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer vertraut den Antworten, für 30 Prozent sind sie ähnlich wertvoll wie eine ärztliche Zweitmeinung. 16 Prozent haben schon einmal eine ärztliche Empfehlung nicht befolgt und eher dem Chatbot vertraut.
Am Empfang, am Telefon und im Sprechzimmer kommt diese Antwort mit. Mit einheitlichen Sätzen ist das Team darauf vorbereitet, auch in einer vollen Sprechstunde.
Warum der Ton zählt
Die Antwort eines Chatbots klingt oft sicher, auch wenn ihm die Untersuchung, die Vorgeschichte und die Medikation fehlen. Wer sie ernst nimmt und dann erklärt, was die Praxis anders sieht, erhält das Vertrauen der Patientin oder des Patienten.
Am Empfang
Danke, dass Sie das mitbringen. Die Ärztin schaut es sich an und bespricht es mit Ihnen.
Wenn jemand wegen der KI-Antwort auf einen schnellen Termin drängt:
Wenn Ihre Beschwerden stark sind oder schlimmer werden, sagen Sie es mir bitte gleich. Dann klären wir sofort, wie schnell Sie drankommen.
Am Telefon
Was die KI geschrieben hat, können wir am Telefon nicht beurteilen. Wir suchen Ihnen einen Termin, bei dem sich die Ärztin das mit Ihnen ansieht. Bei akuter Lebensgefahr legen Sie bitte auf und wählen die 112.
Im Sprechzimmer
Für Ärztinnen und Ärzte, wenn die Patientin oder der Patient die KI-Antwort zeigt:
Zeigen Sie mir gern, was die KI geschrieben hat. Dann sage ich Ihnen, was davon zu Ihrem Befund passt und was nicht.
Wenn die eigene Einschätzung abweicht:
Die KI kennt Ihre Untersuchung und Ihre Vorgeschichte nicht. Ich erkläre Ihnen, was ich gesehen habe und warum ich zu diesem Ergebnis komme.
Wenn jemand Befunde oder Arztbriefe in einen Chatbot geladen hat:
Wenn Sie Befunde in einen Chatbot laden, gehen Ihre Gesundheitsdaten an den Anbieter. Fragen Sie uns gern direkt, wir erklären Ihnen Ihren Befund.
Was im Team abgesprochen sein sollte
- Wer mitgebrachte KI-Antworten entgegennimmt und an die Ärztin oder den Arzt weitergibt
- Welche Sätze Empfang und Telefon verwenden
- Bei welchen Schilderungen ein Anliegen sofort als dringlich gilt
- Wo der Aushang hängt und wer ihn aktuell hält
Als Aushang
Sie haben Ihre Beschwerden schon einer KI geschildert? Bringen Sie die Antwort gern mit. Wir nehmen sie ernst und schauen sie gemeinsam mit Ihnen an. Eine KI kennt weder Ihre Untersuchung noch Ihre Vorgeschichte. Deshalb entscheidet am Ende das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Den Aushang können Sie mit dem Praxisaushang-Werkzeug gestalten. Formulierungen für angespannte Situationen am Empfang stehen im Beitrag Deeskalation am Empfang.
Häufige Fragen einmal gut erklären
Viele dieser Gespräche drehen sich um dieselben Themen. Was dazu einmal verständlich erklärt ist, als kurzes Video oder als Patienteninformation in einfacher Sprache, muss das Team nicht jeden Tag neu erklären. Solche Patienteninformationen produziere ich für Praxen, etwa für die Hausarztpraxis Dr. Kara in Dortmund. Sprechen Sie mich an, wenn Sie das für Ihre Praxis überlegen. Den Überblick über KI in der Praxis gibt der Beitrag KI in der Arztpraxis: Was erlaubt ist.
Quellen
- Bitkom: Dr. KI: Wenn der Chatbot zum medizinischen Ratgeber wird, 20.11.2025