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Werbung für Arztpraxen

Lohnen sich Google-Anzeigen für eine Arztpraxis?

Suchmaschinenwerbung für Ärztinnen und Ärzte lohnt sich in drei Fällen. Welche das sind, welche zwei Sperren greifen und warum Kassenpraxen selten werben.

26. September 2026 5 Min. Lesezeit

Wenn mich eine Praxisinhaberin oder ein Praxisinhaber nach Suchmaschinenwerbung fragt, im Marketing kurz SEA genannt, geht es fast immer um Google Ads. Das sind die bezahlten Anzeigen über den normalen Treffern, wenn jemand etwa „Hautarzt“ und seinen Ort eintippt. Meine Antwort beginnt mit einer Gegenfrage: Wen wollen Sie zusätzlich in Ihrer Praxis sehen, und können Sie diese Menschen überhaupt aufnehmen?

Für Krankenhäuser und größere MVZ habe ich diese Frage im Beitrag Google Ads für Kliniken durchgespielt. Hier geht es um die einzelne Praxis.

Die volle Kassenpraxis

Nach einem Hausarzt in der eigenen Stadt sucht täglich jemand. Die Frage davor stellt trotzdem kaum jemand: Will die Praxis überhaupt mehr Kassenpatientinnen und Kassenpatienten? In den meisten Praxen, die ich kenne, lautet die ehrliche Antwort nein. Das Wartezimmer ist voll und das Telefon klingelt ohnehin. Wer dort Anzeigen schaltet, kauft sich zusätzliche Arbeit.

Dazu kommt die Vergütung. Fachärztliche Kassenleistungen sind budgetiert, das Geld der Krankenkassen ist also nach oben begrenzt. Nach Angaben der KBV wurden rund 13 Prozent der fachärztlichen Kassenleistungen des Jahres 2024 nicht bezahlt.

Für Hausärztinnen und Hausärzte gilt seit dem 1. Oktober 2025 etwas anderes. Das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz hat die allgemeinen hausärztlichen Leistungen und die Hausbesuche aus dem Budget genommen, sie werden zum vollen Preis der Gebührenordnung bezahlt (KBV).

Ganz ohne Mengenbremse ist es seit dem Sommer 2026 aber auch dort nicht mehr. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz steht in § 87a Abs. 3c SGB V, dass hausärztliche Leistungen über das Niveau des Vorjahresquartals hinaus mit einem Abschlag vergütet werden, wenn das dafür vorgesehene Geld nicht reicht und die Krankenkassen Ausgleich zahlen müssen.

An meiner Einschätzung ändert die Entbudgetierung deshalb wenig. Eine volle Kassenpraxis braucht keine zusätzlichen Kassenpatientinnen und Kassenpatienten, in der Facharztpraxis ebenso wie in der Hausarztpraxis, weil ihr die Zeit fehlt.

Wo Praxen tatsächlich werben

Für meinen Unterricht zum Performance Marketing habe ich am 3. September 2026 im Google-Transparenzcenter nachgesehen, wer im medizinischen Bereich Anzeigen schaltet. Dort ist jede Anzeige eines Werbetreibenden öffentlich einsehbar.

Die orthopädischen Anbieter, die ich geprüft habe, schalteten dort keine einzige Anzeige. Ein Anbieter für Augenlasern kam auf rund tausend, und in seiner Anzeige stand sogar der Preis je Auge. Geworben wird dort, wo die Patientin oder der Patient selbst zahlt.

Wer „Hausarzt“ und seine Stadt eintippt, schaut nach meiner Erfahrung ohnehin zuerst auf die Karte mit den Praxisprofilen. Ob dort zuerst das Profil in Ordnung gehört oder eine Anzeige, beschreibe ich im Beitrag Google-Profil oder Google-Anzeige.

Drei Tore für bezahlte Werbung

Ich kenne drei Situationen, in denen sich Anzeigen rechnen. Ich nenne sie Tore, weil eine Kampagne durch mindestens eines davon muss.

Der Fall trägt den Preis. Bei Selbstzahlerleistungen und privat abgerechneten Behandlungen bleibt nach Arztzeit, Personal, Material und Räumen genug übrig, um die Werbung zu bezahlen. Dieser Rest heißt Deckungsbeitrag. Wie man ihn gegen die Kampagnenkosten rechnet, zeige ich im Beitrag Was kostet Google-Werbung für eine Arztpraxis?

Es gibt keinen Bekanntheitssockel. Eine neu gegründete Praxis oder ein neuer Standort wird nicht gesucht, weil noch niemand davon weiß. Anzeigen überbrücken die Zeit, bis Empfehlungen und das Google-Profil tragen. Danach fährt man sie wieder zurück.

Die Zielperson sucht nicht. Eine Medizinische Fachangestellte mit festem Vertrag tippt keine Stellensuche bei Google ein. Sie wechselt, wenn ihr ein besseres Angebot begegnet, und das passiert eher im Feed von Instagram oder Facebook. Für eine volle Kassenpraxis ist die Suche nach Personal oft das lohnendere Ziel für Werbegeld. Wie das geht, beschreibe ich in MFA finden mit Anzeigen auf Instagram und Facebook.

Für eine eingeführte Praxis in der Regelversorgung ist keines dieser Tore offen, und das halte ich für den Normalfall. Eine Hausarztpraxis mit Aufnahmestopp braucht keine Anzeigen für neue Patientinnen und Patienten.

Zwei Sperren

Ein offenes Tor reicht noch nicht. Zwei Sperren können jede Kampagne kippen, und beide liegen in der Organisation.

Die erste Sperre ist die Kapazität. Wer bei langen Wartezeiten Anzeigen schaltet, kauft sich Absagen. Menschen, die nach dem Klick keinen Termin bekommen, schreiben danach Bewertungen, die das Marketing der nächsten Jahre teurer machen.

Die zweite Sperre ist die Annahme. Ein besetztes Telefon macht jeden bezahlten Klick wertlos, und eine Anfrage, die tagelang im Postfach liegt, landet bei einer anderen Praxis. Meiner Erfahrung nach scheitern Kampagnen im Gesundheitswesen am häufigsten an dieser Stelle.

Fragen vor dem ersten Euro

  • Welche Leistung soll häufiger nachgefragt werden, und zahlen Patientinnen und Patienten sie selbst?
  • Ist die Praxis neu, oder kennt man sie in der Umgebung schon?
  • Wie lange warten neue Patientinnen und Patienten heute auf einen Termin?
  • Wer nimmt zusätzliche Anrufe und Anfragen entgegen, und bis wann gibt es eine Antwort?
  • Wie viel bleibt von einer Behandlung übrig, wenn Arztzeit, Personal, Material und Räume bezahlt sind?
  • Hat die Leistung eine eigene Seite auf der Website, mit Ablauf und Kosten?
  • Ist das Google-Profil der Praxis vollständig und aktuell?
  • Wäre das Budget in einer Stellenanzeige besser angelegt?

Selbst prüfen

Welches Tor bei Ihnen offen ist und ob eine der beiden Sperren greift, klärt der Performance-Marketing-Check in wenigen Minuten und ohne Anmeldung. Was eine Kampagne danach insgesamt kostet, rechne ich im Beitrag Was kostet Google-Werbung für eine Arztpraxis? durch.

Quellen