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Werbung für Arztpraxen

Privatpraxis gründen und bekannt werden

Eine Privatpraxis bekommt niemanden über die Terminservicestelle vermittelt. Wie sie vor und nach der Eröffnung sichtbar wird und was Anzeigen leisten.

29. September 2026 5 Min. Lesezeit

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte arbeiten ohne Kassenzulassung. 2023 gaben 6,5 Prozent der vom Statistischen Bundesamt befragten Praxen an, keine Einnahmen aus Kassenabrechnung zu haben, 2021 waren es 3,8 Prozent. Wer eine Privatpraxis gründet, plant Räume, Finanzierung und Versicherung. In diesen Plan gehört auch ein Posten für die Frage, wie die ersten Patientinnen und Patienten von der neuen Praxis erfahren.

Einen Überblick über Beratungsangebote zur Niederlassung gibt der Beitrag Praxisgründung: Beratungen für die Niederlassung im Überblick. Hier geht es um die Sichtbarkeit.

Warum eine Privatpraxis sichtbar sein muss

Eine Kassenpraxis bekommt Patientinnen und Patienten auch über Wege, die sie nicht selbst aufbaut. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln Termine an zugelassene Praxen (Paragraf 75 Absatz 1a SGB V). Eine Privatpraxis erhält über sie niemanden. Am ersten Tag hat sie außerdem keine Stammpatienten, keine Empfehlungen und keine Bewertungen.

Im Beitrag Lohnen sich Google-Anzeigen für eine Arztpraxis? beschreibe ich drei Tore, durch die eine Kampagne mindestens muss. Bei einer neuen Privatpraxis stehen zwei davon offen: Jede Behandlung wird privat abgerechnet, und es fehlt der Bekanntheitssockel. Werbung lohnt sich hier deshalb eher als in einer eingeführten Kassenpraxis.

Was vor der Eröffnung stehen muss

  • Google-Unternehmensprofil: mit Eröffnungsdatum anlegen und bestätigen lassen. Google zeigt es dann 90 Tage vor der Eröffnung an, und schon in dieser Zeit lassen sich Beiträge veröffentlichen. Nach der Eröffnung trägt das Profil 90 Tage lang den Hinweis „Vor Kurzem eröffnet“.
  • Eine Seite je Leistung: mit Ablauf, Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte und dem Hinweis auf die Kosteninformation vor der Behandlung. Wie eine solche Seite für die Privatsprechstunde aussieht, steht im Beitrag Privatsprechstunde bewerben.
  • Telefon und Terminweg: festlegen, wer Anrufe annimmt und wie schnell Anfragen aus dem Formular beantwortet werden.
  • Überweisende Kolleginnen und Kollegen: Wer aus dem eigenen Netzwerk Privatversicherte überweisen kann, erfährt vor der Eröffnung von der Praxis.
  • Werbebudget im Businessplan: als eigener, befristeter Posten.

Welche Anzeigen in welcher Phase

Vor der Eröffnung sucht niemand nach der Praxis, weil sie noch niemand kennt. Für diese Zeit nutze ich Instagram und Facebook: ein kurzes Video aus den fertigen Räumen, zwei bis vier Wochen vor dem ersten Termin, in einem engen Umkreis um die Adresse. Nach Gesundheitsthemen lässt sich bei Meta seit dem 19. Januar 2022 nicht mehr zielen. Ausgewählt wird über den Ort und über das Video selbst.

Ab dem Tag, an dem Termine buchbar sind, laufen Suchanzeigen bei Google: für das Fach mit dem Ort und für die wichtigsten Leistungen, als passende Wortgruppe oder genau passend. Zwei Beispiel-Anzeigen für eine Privatpraxis zeigt der Beitrag Privatsprechstunde bewerben.

Schlägt Google im Werbekonto Performance Max vor, bleibe ich beim Start bei der Suchkampagne. Performance Max setze ich nur für Selbstzahlerleistungen ab einem Werbebudget von 1.500 Euro im Monat ein. Warum, steht im Beitrag Performance Max für Arztpraxen.

Den ausführlichen Zeitplan für die Wochen vor und nach der Eröffnung beschreibt der Beitrag Werbung zur Praxiseröffnung.

Woran Sie erkennen, dass die Anzeigen wirken

Der Empfang fragt neue Patientinnen und Patienten, wie sie auf die Praxis aufmerksam geworden sind, und führt eine Strichliste ohne Namen. Daraus ergeben sich die Werbekosten je wahrgenommenem Termin, wie im Beitrag Woran eine Praxis erkennt, ob ihre Kampagne wirkt beschrieben. Der Sockel steht, sobald Empfehlungen ankommen und in der Search Console Suchen nach dem Namen der Praxis auftauchen.

In einer Kassenpraxis fahre ich die Anzeigen dann zurück. In einer Privatpraxis bleibt das erste Tor offen, weil jede Behandlung privat abgerechnet wird. Ob die Anzeigen weiterlaufen, entscheidet dann der Deckungsbeitrag, also der Betrag, der nach Arztzeit, Personal, Material und Räumen von einer Behandlung übrig bleibt. Diese Rechnung macht der Performance-Marketing-Check.

Wenn Sie Website, Google-Profil und Eröffnungskampagne zusammen planen möchten, finden Sie das bei den Praxisgründer-Komplettpaketen.

Häufige Fragen

Darf eine Privatpraxis mit einem Terminzeitraum werben?

Ja, sachlich formuliert und nur, wenn die Praxis ihn einhält. Unwahre Angaben zur Verfügbarkeit oder zum Zeitpunkt einer Dienstleistung sind nach Paragraf 5 UWG irreführend. Die Regel des Bundesmantelvertrags, nach der besondere Sprechstunden nur für Früherkennung angekündigt werden dürfen, bindet Kassenpraxen und keine reine Privatpraxis.

Kann eine Privatpraxis gesetzlich Versicherte behandeln?

Ja, wenn sie die Behandlung selbst bezahlen. Vor Beginn muss die Praxis sie in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (Paragraf 630c Absatz 3 BGB).

Braucht die Praxis für Google-Anzeigen eine Zertifizierung?

Für ärztliche Leistungen nicht. Googles Richtlinie zu Gesundheitswesen und Arzneimitteln verlangt eine Zertifizierung für andere Bereiche, etwa für verschreibungspflichtige Arzneimittel, Onlineapotheken und Suchtbehandlung.

Quellen